Zur Findung der Identität und dessen, was man ist und sein will, gehört auch zu wissen, wo die eigenen persönlichen Grenzen liegen – und gleichfalls die der anderen - und dass man in der Lage ist, eigene und fremde Grenzen anzuerkennen und zu respektieren. Vielfach handelt es sich dabei um die privaten, körperlichen Grenzen (Selbst-, Fremdwahrnehmung, Körpergefühl, „Nein-Sagen“,…), wie auch um die realen, räumlichen Grenzen.
Jugendliche nehmen in unserer Gesellschaft in Hinblick auf räumlichen Besitz eine Sonderstellung ein. Sie verbringen im Normalfall ihren Alltag an Orten, welche nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß „ihnen gehören“. Sei es in der Schule, im Elternhaus oder im Jugendhaus – obwohl Jugendliche dort einen Platz haben, ist es dennoch nicht deren Eigentum und somit müssen auch die Regeln derer befolgt werden, welche über den Ort verfügen.
Umso wichtiger erscheint es uns, Jugendlichen mehr Freiräume zu bieten. Diese Freiräume können in gewissen Maß überall geboten werden (Jugendhaus, Schule, etc.). Im Frühjahr 2018 steht ein Umzug der Offenen Jugendarbeit Frastanz an einen neuen Standort an. Gemeinsam mit den Jugendlichen soll dabei ganz konkret überlegt, konzipiert und umgesetzt werden, wie das neue Jugendhaus aussehen soll. Dieser Prozess der Teilhabe soll im Rahmen des Projektes umgesetzt werden, um den Jugendlichen Partizipation und Einbindung in Gestaltungsprozesse zu ermöglichen. Gleichzeitig dazu soll aber auch Freiraum an öffentlichen Plätzen mitten in der Gesellschaft geschaffen werden. Großer Vorteil an öffentlichen Plätzen ist die Freiheit von Konsumzwang und die Möglichkeit zur Durchmischung verschiedener Gruppen.
Mit dem Projekt „Platz da“ wollen wir mit den Jugendlichen ihre Frei- und Grenzräume überdenken und neugestalten. Das Projekt soll mehr Freiräume für Jugendliche schaffen und die Jugendlichen zu Partizipation und Eigeninitiative bei Gemeindegestaltungsprozessen motivieren. Gleichzeitig soll die Nutzung der öffentlichen und gemeinsamen Räume gewaltfrei passieren.
Diesbezüglich werden jedoch immer wieder Probleme von Seiten der Jugendlichen, der Anrainer oder der Exekutive an die Offene Jugendarbeit herangetragen. Im öffentlichen Raum bewegen sich unterschiedliche Gruppen, welche aufgrund unterschiedlicher Interessen und Vorstellungen in Konflikt geraten. Häufig bringen solche Konflikte keine produktiven Lösungen mit sich (z.B.: in Form von Gesprächen), sondern haben verbale oder physische Gewalt oder Gewalt an Gegenständen (Vandalismus) zur Folge. Durch eine derartig gescheiterte Konfliktbearbeitung verhärten sich die Fronten und es kommt zu weiteren Schwierigkeiten.
Das Projekt soll neue Wege aufzeigen, wie die Konflikte unterhalb der verschiedenen Interessensgruppen positiv bewältigt werden können und präventiv dafür sorgen, dass sich dieselben Probleme nicht wiederholen müssen. Dabei spricht das Projekt nicht nur die Jugendlichen an, sondern macht auch die Erwachsenen im Raum Frastanz darauf aufmerksam, wie der öffentliche Raum gemeinschaftlich gut und gewaltlos genutzt werden kann.

Für eine ganzheitliche und nachhaltige Bearbeitung ist das Projekt „Platz da“ auf 3 Ebenen zu verorten:

  • Der unmittelbare und bekannte Raum der Jugendlichen (Jugendhaus, eigenes Zimmer, eigener Körper)
  • Der Raum, den Jugendlichen kennen, aber wenig nützen (öffentliche Räume und Angebote im Raum Frastanz)
  • Der Raum, den Jugendliche (fast) nicht kennen (Naturräume, Grenzerfahrungen durch erlebnispädagogische Angebote)