Im offenen Café-Betrieb konnten wir immer wieder beobachten, dass die eigene Herkunft und gleichzeitig auch der aktuelle Wohnort der Jugendlichen wichtige Themen sind. Zu erkennen war dies vor allem durch Gespräche von Jugendlichen untereinander, sowie Debatten mit den JugendarbeiterInnen. Auffallend dabei war, dass immer mehr Diskussionen über strukturelle Gewalt, die damit verbundenen Macht und Herrschaftsverhältnisse, sowie soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit geführt wurden. Dabei wurden auch die damit verbundenen Rollenzuweisungen zum Thema gemacht. Die Jugendlichen spüren, dass deren Wohnort und die damit verbundenen Stigmatisierungen ihre Chancen bezüglich Bildung, Beruf und sozialem Status beeinflussen.

Die personelle Gewalt von Menschen gegenüber Menschen ist sichtbar und direkt und kann dadurch auch gut thematisiert werden. Im Gegensatz dazu wirkt die strukturelle Gewalt indirekt und ohne einen konkreten, sichtbaren Akteur. Die Folgen, wie zum Beispiel Armut, Arbeitslosigkeit, Verwahrlosung, ungünstige soziale Voraussetzungen etc. sind sehr wohl sichtbar, aber werden nur selten thematisiert.
Von den Stigmatisierungen sind in der Regel sogenannte „Randgruppen“ betroffen, die gemeinsame, negativ bewertete Merkmale haben, durch die sie sich von anderen Mitgliedern der Gesellschaft unterscheiden. Die betroffenen Personen befinden sich in einem „Teufelskreis“, dem sie nur schwer entgehen können: Randgruppen werden stigmatisiert, Stigmatisierung führt zu Ausgrenzung und wiederum zu Randgruppenbildung.

Der Titel "Ghettoflavour" wurde von den Jugendlichen gewählt. Sie assoziieren mit dem Begriff Ghetto Wohnviertel, in denen sich soziale Probleme häufen. Die Jugendlichen haben den Begriff in ihre Alltagssprache integriert, da ihre Vorbilder aus der Rapszene diesen sehr häufig in ihren Texten verwenden.

Das Projekt Ghettoflavour hat uns - sowohl die JugendarbeiterInnen als auch die teilnehmenden Jugendlichen - durch die vielfältigen Aktionen im kritischen Denken und im Reflektieren der eigenen Vorurteile weiter gebracht. Unsere Sichtweise auf sogenannte 'Ghettos' hat sich insofern verändert, als dass wir durch die Beschäftigung mit dem Begriff erkennen konnten, dass der Begriff 'Ghetto' zu schnell unreflektiert verwendet wird, und somit Vorurteile aktiviert werden. Durch die intensive Beschäftigung mit der Thematik konnten derartige Vorurteile aufgedeckt und bearbeitet werden.